Ich habe die Europaschule in Mol von ihrer Gründung 1961 bis 1972 besucht. Diesem Schulennetzwerk wird Elitismus nachgesagt, und auch, die Einschulung dort wäre sehr teuer. Damals war man ja noch nicht so weit, und normalerweise hätte ich sie als Belgier in Belgien nicht besuchen dürfen, derweile gilt wahrscheinlich das belgische Sprachenrecht dort voll und ganz, d.h. wer als Belgier in Flandern wohnt, ist Flame und spricht muttersprachlich Flämisch – was nicht stimmt, aber die flämisch-nationale Variante des Völkerrecht ist sogar internationalen Gremien wie UNO und Europarat suspekt…

Äußerlich, mal von Farbenstrichen und dem Zusatz einer Schwimmhalle abgesehen, ist alles beim alten geblieben – die Wege dorthin sind so geblieben, was sie waren, also streckenweise im argen Zustand, das Gelände dafür nach wie vor riesig im Vergleich zur Anzahl betreuter Schüler. Die Gänge waren identisch geblieben, die Klassenräume dafür teilweise winzig klein. Wird wohl das Ergebnis der EU-Erweiterung sein: Jeder Schüler hat das Recht auf Einschulung in seiner Muttersprache! Ich traf da eine nette schwedische Lehrerin, die sage und schreibe fünf Landsleute als Schüler hatte, und keiner sonst, der daran interessiert wäre, die Sprache zu erlernen.

Auffällig war mir auch die Reife selbst sehr junger Schüler: Die Bräuche sind gesittet, das Lehrpersonal respektiert, der Ton ruhig und sachlich. Das kam mir wiederum sehr bekannt vor. Auch die Sprachwendigkeit der Schüler, auch wenn dort derweile Englisch und Niederländisch Umgangssprachen geworden sind – die eine Sprache, weil international, die andere ortsgemäß.

Was ich für mich behielt, nicht mehr als vermittelbar halte: Ich wurde von den damaligen Mitschülern unwiederbringlich schlecht behandelt, alleine gelassen und gemobbt, ein Schicksal, dem damalige Lehrer sehr wohl entgegenzuwirken bemüht waren, aber der Schade blieb – bis heute. Am liebsten wäre ich dort “geblieben”, fühlte aber, ich müsste es “meiden”, diesen Ort wieder in den Zustand der Austauschbarkeit ansehen.

Ich war an diesem Tag der Offenen Tür gewissermaßen auch der älteste Schüler – älter sogar als das Lehrpersonal, eigentlich! -, Erwachsene dort waren eher Eltern von Schülern und zukünftigen Schülern, letztere wohl auf Informationstour zwecks Einschulung des Nachwuchses…

Es schneite regelmäßig und der kalte Wind wehte übrigens. Der Himmel war so grau, dass ich noch nicht mal Aufnahmen von außen nahm – nur einige von innen…