der 90er Jahre erlebte Europa eine gründliche strukturelle Neuverteilung. In vielen Punkten ging es um enen bis dahin nicht geahnten status quo ante. Im Balkan griff man auf den Vertrag von Trianon aus dem Jahre 1919 zurück, im Baltikum wagten die bisherigen Sowjetrepubliken die Legitimität des geheimen Molotow-Ribbentropp-Abkommens anzuzweifeln. Die Sowjetunion fiel in sich hinein und ihre Republiken zerfielen nach dem Territorialprinzip. Neue Staaten entstanden nicht, sondern alte Staatsgebilden tauchten wieder auf.

Wir sind 22 Jahre später. Die neue Kruste durchbrach eine alte Gemeinsamkeit: die der Religion. In Osteuropa wütet der Katholizismus und baut nach und nach Frauenrechte ab, die alte Politlandschaft ändert sich, indem Links bis Extremlinks wieder an Terrain gewann, allerdings nicht mehr wie früher nur zum sozialen, kulturellen und materiellen Fortschritt. Denn der Dauerimport aus Nordafrika zeitigte seine Folgen: die zweite Migrantengeneration wuchs in ener gespaltenen Welt, gefühlsmäßig an die alte Kulturheimat gebunden, real im Westen.

In Nordafrika herrschten mehrfach Autokraten, entweder in monarchischer Form (Marokko) oder in republikanischem Gewand. Diese Länder hatten sich der Kolonialmächten entledigt, behielten aber zur französischen Sprache und Kultur ein Hass-Liebeverhältnis, Frankreich, die sich zunächst nach dem Algerienkrieg selbst seinen arabischen Verbündeten vor Ort gewaltsam verschloss, erlebte eine schleichende Einwanderung aus Italien, Spanien und Portugal, aber und vor allem aus ehemaligen Kolonien. Zunächst ungelernte wie Facharbeiter, die froh waren, im Westen in Lohn und Brot gekommen zu sein und sich deswegen um Assimilierung bemühten. Sie waren auch glücklich, dem politischen Druck entgangen zu sein. Menschlich blieben se aber dem bled, uhrem meist ländlichen Herkunftsgebiet treu und kauften sich dort ihre Frauen aus.

Diese Wechselwirkung zweier Kultur wirkte sich auf Europa verheerend aus, weil die islamische Religion immer noch so “funktionierte” wie das Christentum bis etwa zur Märzrevolution von 1830 in Deutschland und bis 1789 in Frankreich es getan hat: als verewigende Kuppel über den bestehenden politischen Verhältnissen.

Mit dem Unterschied auch, dass sowohl das Judentum (Talmud) als auch das Christentum eine Tradition der Interpretation der eigenen heiligen Bücher entwickelt haten und unterhielten, aus der sich eine Methode entwickelte, die letzten Endes auch außerbiblisch zum Einsatz kam, ab dem 17. Jahrhundert behutsam in England durch die frühe Freimaurerei, kurz darauf aber durch die französische Aufklärung und in Deutschland endlich durch die Dialektik und den Marxismus.

Das hat der Islam nicht erlebt: Der Streit zwischen Ibn-Rsuchd und Al-Ghazali führte nicht zum Ausgleich und die philosophiefeindliche These des Letzteren obsiegte, dem nach Wahrheit nur in der Religion zu finden sei, und damit wurde der Averroës-Ansatz einer aristotelischen Kritik des Islams zunichte gemacht. Die Mechanik der unreflektierten Aufnahme und Umsetzung eines stellenweise sehr fragwürdigen Textes wie der Koran setzte sich ein, zudem gehören alle “Gelehrte” des Islams zur jeweiligen Generation der Greisen und Abgeklärten, die aus der Warte den jüngeren Geenrationen einen strikten Gerechtigkeitskurz diktierten. Damit wurded der Islam zu einer art ideologisches Krebsgeschwür, aus dessen Fängen sich der Gläubige gerade wegen der Stringenz des Zweifelverbots nicht zu befreien vermag.

Das Neue an der Entwicklung nach dem Jahre 2000 ist der nunmehr rapide um sich greifende Totalitätsanspruch des Islams in allen Instanzen, vom UNO-Menschenrechtsausschuss bis zur alltäglichen sozialen Kontrolle in den Vorstädten in der Welt. Wer nicht Moslem ist, wird in die Enge getrieben, Vermählung mit ener Moslima kann nur durch Bekehrung erfolgen, weil diese Moslima, um ihre Papiere im Land ihrer sonstigen Staatsangehörigkeit zu bekommen, nachweisen muss, dass sie einen Moslem geheiratet hat – und der dumme Europäer macht das mit, um des lieben Friedens willen, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, aber ohne zu ahnen, dass er bei späterer Einflussnahme islamischer Kräfte auf das politische Geschehen in die Pflicht genommen werden könnte.

Jedes “Dialog” mit dem Islam ist also eine Einbahnstraße.

Was der sog. Arabische Frühling darstellte war lediglich die gewaltsame Auslagerung alter Militärregime, es stellt sich nun heraus, dass z.B. in Tunesien für die Bevölkerung kein nachweislicher Wohlstand zu verzeichnen ist, die Islamisierung des öffentlichen Lebens dafür immer spürbarer wird, in Libyen sollte ebenfalls die Scharia herrschen, und es ist nicht sicher, ob der Sieg der sogenannten Liberalen bei den Wahlen nicht nur einen Aufschub darstellt, Ägypten ist dem Islam verfallen und in der Sahelzone zeichent sich ab, wie der Islam morgen aussehen wird: eine Steinzeitreligion! Mögen formaldemokratische Strukturen eingesetzt werden, es geht um den Inhalt, und der heißt Scharia, sonst nichts!