Die Deutschen hegen eine gewisse Nostalgie nach der guten alten Deutschen Mark. Eben: die Starke D-Mark von Theo Waigel. So stark, dass ich mir mit Mühe vorstellen kann, dass der gute Mann tatsächlich sein Brot in Euro zahlt.

Klar doch: Zahlte man doch für einen Liter Benzin Mitte der 80er Jahre schlappe 98 Pfennig – das waren Zeiten. In Aachen habe ich mich jahrelang für 250 DM einmieten können. Ohne näher darüber informiert zu sein, ich kann mir vorstellen, dass diese Wohnung – günstig in der Ottostraße gelegen, nach hinten schauend und daher auch ruhig – derweilen für ihre sehr geschäftstüchtige persische Vermieterin 500 Euro wert ist…

Das Ende vom Euro. Der Neiwährung wurde von Anfang an eine übermäßige, breitangelegte Preissteigerung angelastet, für die die Einführung des Euros wenig Schuld war. Aber es gab gleich böse Signale, so gleich im Juli 2002, als die Auf- und Abrundung der Preise nunmehr erlaubt wurde und daraufhin die Händler die Preise radikal aufrundeten. In Italien trieb man es natürlich noch bunter: Bei den vielen Nullen hinter den Lira-Preisen fiel es schon nicht mehr auf, dass bei den kleinen Beträgen die Preise stiekum gleich verdoppelt wurden. Und bei den Belgiern – díe bei Umfragen sich natürlich mit der Neuwährung soweit einverstanden erklärten, so sehr sie daran eben gewohnt sind, “nutzvolle” Antworten zu geben und sich “positiv” zu zeigen, wie gehabt! – gab es radikalen Widerstand: Bis heute ist die Berechnung in Franken übrig, auch für Kleinbeträge, erkennbar daran, dass sie Zahlen ohne Währung angeben. Dieser Staat ist ja eine Monarchie, und wo Monarchie gibt, gibt es auch kriechenden Feudalismus, daher tut es auch nicht wunder, wenn das Untertanenvolk murrt, wenn die Königsbilder aus den Banknoten verschwinden (wie letztens von den 10.000-Franken-Scheinen, die es ja plötzlich nicht gab).

Bei den Vorverhandlungen hat man anscheinend die Karre vor die Pferde gespannt: Eine einheitliche Währung setzt ein einheitliches Wirtschaftsgebiet voraus, nicht andersherum. Europa wünschte sich wohl von Anbeginn, ein solches zu sein bzw. zu werden, ist es aber noch lange nicht – und sicherlich nicht nach seine letzte Akquisition der alten Ostblockländer, die huckepack aufgenommen wurden, obwohl die Bevölkerung dort ein schlechtes Bild vom dirigistischen, unionistischen Europa (“Eine Union haben wir ja gerade gehabt!”, meinten die etliche geborene Sowjetbürger mit Blick auf einen “echten Kapitalismus”, den amerikanischen nämlich…). Auch die Südländer hatten immer für Kummer gesorgt: Italien musste ihre Bevölkerung – anfangs gegen Kohle – exportiert, die dann später überall in Europas Kohlenrevieren hängenblieb. Sie exportierte gleich ihre Mafia mit… Als Spanien und Portugal – zusammen – aufgenommen wurden, standen sie wirtschaftlich auf tönernen Füßen. Es waren Billigländer, Portugal hatte ihre Arbeitskräfte exportiert (Luxemburg sagt dank!).

Ein Arbeiter verdient in Frankreich knapp 1200 Euro, einer in Litauen gerade 400 Euro und in Rumänien kommt er auf 110 Euro, und Rumänien importiert zeitweise Chinesen mehr-weniger in politischer Käfighaltung – mit Billigung des volksverbundenen Exportlandes -, um den Herstellungsprozess noch rentabler zu halten.

Das Euro-Land ist ein Zusammenschluss von Ländern, die ursprünglich gewisse Standards halten wollten. Diese Konvergenzkriterien (Maastricht und die Folgen) wurden nahezu nie eingehalten, derweil immer weiter privatwirtschaftliche Methodoligien auf die öffentlichen Haushalte angewandt wurden. Die Kriterien von Basel und die nunmehr relevanten Benotung von Ländern wie anderen “Unternehmen” durch privatwirtschaftliche Marktbenotungsfirmen belegen diese Verprivatisierung der öffentlichen Finanzen. Von der ganzen Welt tönt nunmehr der Ruf: “Werdet endlich mal ein einheitliches Gebiet, Junges, anders wird’s halt nix!” – mal salopp gesagt. Übrigens: Gleiches ertönt Richtung Belgien, dessen strukturelle Instituionensumpf einfach wirtschaftsfeindlich ist (sieben Regierungen für 11 Millionen Einwohner, gleich daneben zählt Nordrhein-Westfalen bei größerer Bevölkerung auch nur schlappe eine!). Es ist überhaupt anzunehmen, dass zu kleine Gebietseinheiten dem Aufbau Europas ein Dorn im Auge ist, es sei denn, diese Einheit ist zur Selbsterhaltung fähig – siehe Luxemburg.

Wie soll das aussehen?

– Ländern seilen sich einzeln vom Euro ab. Der Haken: Da dies nicht vorgesehen wurde, müssen sie zugleich der EU den Rücken kehren.

– Alle Ländern geben den Euro auf und planen ihre Rückkehr zu Nationalwährungen vor.